SCHON  0350BÄUME GEMELDET!

Baumgeschichten
2-grueneGold.jpg

Das grüne Gold

Vor vielen Jahren war der Blattwald ein beliebtes Urlaubsziel für Leute, denen es an heißen Tagen zu brütig in der Stadt wurde. Die vielen kräftigen Bäume spendeten den Menschen Schatten und der große klare See am hinteren Ende des Waldes war kalt und erfrischend. Doch nach und nach entwickelte sich die Menschheit weiter und die Klimaanlage wurde erfunden. Die Menschen hatten also nun zu Hause Abkühlung und sie ersparten sich den weiten Weg bis zum Wald. Wo einst die Menschen aus der Stadt ihre Ferien verbracht hatten, stehen heute nur noch die verlassenen Ferienhütten und natürlich die einsamen Bäume. Doch nun ist Platz geworden, für ein Volk, das bisher niemand kannte, nämlich für die Erlis.
Die Erlis sind kleine Zwerge und haben sich in den alten Hütten im Blattwald eingenistet, um geschützt vor den Menschen und den Meerschweinchen zu sein. Die Erlis denken, die Meerschweinchen hätten böse Kräfte und die Menschen wären ihre Haustiere. Eines Tages hörten die Erlis ein lautes Geräusch. Es war so laut wie ein Donner, aber ohne Blitz. „Die Erde geht unter!“ rief der reichste Erli. Sein Name war Gustav Reichkopf und er hatte sehr viel Angst um sein Gold, obwohl er mehr Gold hatte als ein Baum Blätter besaß. Das Geräusch wurde immer lauter und es schien, als käme es immer näher. Plötzlich sahen sie mindestens 30 Menschen, die hatten irgendwelche komischen lauten Dinger in der Hand, womit sie die Bäume angriffen. Natürlich waren es Kettensägen, was sie in der Hand hatten, aber das wussten die Erlis ja nicht.
Die Erlis hatten riesengroße Angst um sich und die Bäume. Manche von ihnen sprangen sogar in den See, um sich zu schützen, obwohl sie sehr wasserscheu waren. Was sollten sie jetzt tun? Die Erlis samt Menschen und Meerschweinchen brauchten die Bäume doch zum Leben ... „Schließlich reinigen Bäume doch die Luft, geben Sauerstoff und spenden Schatten, außerdem kann man auf ihnen herumklettern und eine Schaukel an ihnen befestigen!“ sagte Bernard Schlaumeier, der schlaueste der Erlis. Da sahen die Erlis den hohen Berg, auf dem noch Bäume standen. Also kletterte das ganze Volk hinauf. Doch als sie oben ankamen, sahen sie etwas Schreckliches: Gustav Reichkopf hatte eine Stadtkarte gefunden, das ist erst einmal nichts Schreckliches, doch darauf stand: so sieht unsere Stadt in 10 Jahren aus. Auf der Stadtkarte waren keine Wälder und Bäume, sonder nur noch Häuser aus Steinen und Beton. Doch ein kleiner Fleck auf der Karte war noch grün. Sie kannten diesen Fleck, ein einziger Erli, Heinz Immagrün, hatte sich mit seiner Familie dort angesiedelt – nämlich im Finsterwald, auf der anderen Seite der Stadt.
Kein Mensch und kein Meerschweinchen trauten sich jemals in diesen Wald. Deswegen wurde er wohl nicht abgeholzt. Die Erlis hatten keine andere Wahl als dorthin zu gehen. Also brachen sie auf, alle bereiteten sich vor und nahmen ihren wichtigsten Besitz mit. Gustav Reichkopf nahm einen riesigen Beutel voller Gold mit. Sie gingen lieber durch die Kanalisation unter der Erde als durch die Stadt mit den gefährlichen Meerschweinchen und Menschen. Als sie nach einiger Zeit dort ankamen, sahen sie einen schwarzen unheimlichen Wald. Sie zögerten etwas, gingen dann aber doch in den Wald. Kurz nachdem sie ihn betreten hatten, war er gar nicht so finster. Fast alle Bäume waren bunt bemalt, mit leuchtenden Farben, einfach wunderschön. Da sagte Bernard Schlaumeier: „ Das geht doch nicht, das ist doch für die Bäume gefährlich, wenn man sie mit giftigen Farben bemalt!“ „Das sind natürliche Farben aus Beeren und Früchten“, erwiderte eine Stimme. Es war Heinz Immagrün, der als einziger hierher gezogen war. „Kommt mit“, sagte er, „ich muss euch etwas zeigen!“
Die Erlis folgten ihm und plötzlich standen sie vor ganz vielen kleinen Hütten. „Die habe ich selbst gebaut, jeder darf sich eine aussuchen!“ rief Heinz. Das ließen sich die Erlis nicht zweimal sagen – und es dauerte nicht lange, da hatte jede Familie eine Hütte gefunden. Nur Gustav Reichkopf hatte sich noch keine Hütte ausgesucht. Er stand auf einer Brücke und starrte in den kleinen eisblauen See. Heinz Immagrün fragte: „Gustav, warum hast du dir keine Hütte ausgesucht, die besten sind schon vergeben?“ - „Ich habe noch etwas zu erledigen“, sagte Gustav. In dem Moment nahm er seinen Beutel mit dem Gold und warf ihn in den See. Heinz sah ihn verdutzt an. Da sagte Gustav Reichkopf stolz: „wir sind doch von grünem Gold umgeben, ich brauche kein echtes mehr!“

Leelja Andersen (Altersgruppe 8-11 Jahre)

BINGO! - Die Umwelt Lotterie Schleswig-Holsteinischer Heimatbund e.V. Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Landesamt fuer Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume - Schleswig-Holstein